Phasenmodell der Softwareentwicklung

Grobplanungsphase

Das Planungsteam ist für die Grobplanungsphase bereits zusammengestellt und wird als „Kernteam“ das Projekt über seine weitere Laufzeit betreuen und verantwortlich koordinieren, kontrollieren und managen.

Grundsätze der Grobplanungsphase für große Projekte

Als großes Projekt werden Projekte bezeichnet, in dem mehr als ein oder zwei Mitarbeiter an dem EDV-Vorhaben arbeiten. Die Projektmannschaft wird, da zu Beginn viele fachliche Dinge zu klären sind, aus Mitarbeitern der Fachabteilungen und der Organisation bestehen. Zusätzlich sind Systemanalytiker vertreten, eventuell werden externe Berater für die Unterstützung hinzugezogen.

Qualitätssicherungsmaßnahmen

Um Fehler bereits frühzeitig festzustellen und nicht erst am Projektende, ist eine funktionierende Qualitätssicherung notwendig, die projektbegleitend durchgeführt wird. Festzulegen sind die anzuwendenen Test- und Prüftechniken. Nachfolgend einen Überblick über einige Dokumentationstests:

  • Review-Verfahren
    Es handelt sich um Prüfungen, die in Form von Gruppensitzungen abgehalten werden. Das Ziel ist, Regelverstöße ausfindig zu machen bzw. Planungsfehler so früh wie möglich zu entdecken.
  • Schreibtischtest
    Die Struktogramme oder PAP’s werden mittels Testfällen und Testdaten auf dem Papier auf ihre Richtigkeit überprüft, indem die darin enthaltenen Aktionen „gedanklich“ durchgespielt werden. Damit kann die Logik auf Fehlerfreiheit getestet werden.
  • Allgemeine Qualitätssicherungsmaßnahmen
    Dazu gehört bespielsweise die Berufung eines Qualitätssicherungsteams. Hier können bestimmte Verfahren festgelegt werden für die Qualitätssicherung festgelegt werden, wie z.B. wöchentliche Zusammenkünfte von Teamleitern und Qualitätssicherung, um den aktuellen Stand zu besprechen. Hierbei wird überprüft, ob die Festlegungen eingehalten werden und aufkommende Probleme analysiert und Lösungsmöglichkeiten eruiert werden.
  • Berichtswesen
    Organisation des Berichtswesens, also die Festlegung, wer worüber, wann, wo, wem und in welcher Form berichtet (Projektfortschritt, Änderungsdienst, Zeit- und Kostenbilanz, usw.)

Dies sind alles Elemente, die geplant werden müssen, bevor ein Projekt richtig anläuft.

Grobes Fachkonzept

Die fachliche Seite muß immer überwiegen, denn Programme sind nur ein Hilfsmittel, ein Werkzeug, sie sind nicht Selbstzweck.

Entwicklung des Idealkonzeptes

Die Planung soll innovativ, also auf die Zukunft ausgerichtet sein. Das Idealkonzept soll neue, vielleicht sehr ungewöhnliche, aber bessere Lösungswege aufzeigen.

Techniken der Ideenfindung

Einige relevante Techniken der Ideenfindung sind:

  • Brainstorming
  • Brainwriting
  • Blockdiagramme
  • W-Fragen
  • Synektik
  • Morphologische Analyse

IST-Aufnahme

Die IST-Aufnahme hat den Zweck, den bestehenden Zustand zu erheben, zu untersuchen und zu dokumentierten. Es werden wieder die bekannten Standardtechniken wie z.B. Interviews, Fragebogen, Multimomentaufnahme oder Selbstaufschreibung angewendet. Ferner bedient man sich ggf. REFA-Techniken.

IST-Aufnahme und die nachfolgende IST-Analyse kann dabei natürlich nur durchgeführt werden, wenn durch die Entwicklung ein bestehender Zustand verändert und verbessert werden soll.

IST-Analyse (Schwachstellenanalyse)

Ist die IST-Aufnahme abgeschlossen, müssen die erhobenen Daten und Fakten bearbeitet und analysiert werden. Hierbei werden Probleme, Schwachstellen und Unzulänglichkeiten wesentlich ausführlicher wie in der Initialisierungsphase ausgearbeitet und eruiert. Dabei sollen auch zukünftige Schwierigkeiten mit dem derzeitigen Stand mit einbezogen werden, die gegebenenfalls auftreten können.

Entwicklung des SOLL-Konzepts

Mit der Entwicklung des SOLL-Konzepts beginnt die eigentliche Planung. Die erforderlichen Funktionsumfänge sowie Sicherheitskriterien werden festgelegt. Benötigte Sicherheitskriterien werden u.a. durch eine Funktions- und Bedrohungsanalyse eruiert, um festzustellen, welche Daten bzw. Informationen wie stark gefährdet sind und um sicherzustellen, daß diese zukünftig in ausreichendem Maße geschützt sind.

Aufgabenbäume der Teilprojekte

Die Aufgabenbäume der Teilprojekte sind zu erstellen, wozu – um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen – viele Planungsgespräche notwendig sind.

Funktionsbeschreibungen Teil 1

Datensatzbeschreibungen, bei denen die fachliche Seite im Vordergrund steht

  • Maskenlayouts
  • Listenbeschreibungen
  • Schlüsselsysteme (Verwaltung von Daten in Dateien oder Datenbanken)

Grobes DV-Konzept

Nachdem das Fachkonzept durchplant wurde, ist dem DV-Konzept zu beginnen. Im Normalfall findet erst die Planung und anschließend die Programmierung statt.

Funktionsbeschreibung Teil 2

Wenn das grundsätzliche Programmsystem aufgebaut ist, müssen die Funktionsbeschreibungen um die datenverarbeitungstechnischen Belange ergänzt werden. Hierzu gehören u.a.

  • Festlegung von Datenbanken oder Dateisystemen
  • Erstellung eines SOLL-Datenmengengerüsts, hierbei sollte ein Sicherheitszuschlag für zukünftige Erweiterungen mit einbezogen werden.
  • Festlegung der Listen-, Masken- und Belegsysteme.
    Die im Fachkonzept entwickelten Entwürfe werden verfeinert, das Belegsystem wird an die datenverarbeitstechnischen und organisatorischen Anforderungen angepaßt.
  • Festlegung der Schnittstellenbeschreibungen.
    Diese sollte in einer zweckmäßigen und übersichtlichen Struktur erfolgen und die Datentypen sowie mögliche Inhalte sind zu planen.
  • Festlegung der Schlüsselsysteme (DV-technisch)
    Es werden ferner aus DV-technischer Sicht eine Reihe von Schlüsseln benötigt, um Daten und Prozesse zu identifizieren, die jedoch für den Anwender nicht relevant sind und für diesen auch nicht sichtbar sein müssen.
  • Konfigurationsplan.
    Hierzu zählen u.a. die Festlegung von Hardware und System-Software, auf denen die Entwicklung später eingesetzt werden soll. Dazu zählen auch, bei Entwicklung, die auf Netzwerke zugreifen müssen, Spezifikationen für die verwendeten Netzwerktechniken.

Projektablaufplanung

Hauptarchitektur sowie die fachlichen und DV-technischen Anforderungen sind festgelegt und bekannt. Nun muß der Projektablauf geplant werden. Hierzu werden die folgenden Bereiche analysiert und festgelegt:

  • Schätzung des Zeitaufwandes
  • Ermittlung des Personalbedarfs
  • Festlegung der Fertigstellungstermine für die einzelnen Projektphasen
    Hier wird festgelegt, wann welche Teile fertig vorliegen müssen. Zu diesem Zweck unterstützen moderne Netzplanprogramme auch ein Budget- und Personaleinsatzplanung.
  • Festlegung der Projektorganisation
  • Schulungsplanung
    Bei der Einführung von neuen Systemen müssen die Anwender entsprechend geschult werden, was in der Planung mit berücksichtigt werden sollte.
  • Kosten-Nutzen-Analyse
    Bei Entwicklungsvorhaben muß immer zwischen dem quantifizierbaren Nutzen und dem qualifizierbaren Nutzen unterschieden werden. Sind die Kosten größer als der erwartete Nutzen, kann an dieser Stelle das Projekt auch noch abgesagt werden oder weitere Planungen vorgenommen werden, um die Kosten zu minimieren.
  • Phasenabschluß
    Die Leistungsbeschreibung kann auch in Form des sogenannten Pflichtenheftes erstellt werden, was bei externen Projekten notwendig ist, bei internen weniger zum Einsatz kommt.

Überprüfung der Leistungsbeschreibung/des Pflichtenheftes

Leistungsbeschreibung bzw. Pflichtenheft beinhalten alle Dokumente, die bis zu diesem Zeitpunkt erarbeitet worden sind und die Eigenschaften des Projekts beschreiben. Diese müssen selbstverständlich durch den Auftraggeber/Entscheidungsträger geprüft werden. Sollte der Auftraggeber/Entscheidungsträger andere Vorstellungen haben oder bei den bis dato durchgeführten Entscheidungsprozessen etwas vergessen worden sein, müssen die Projektunterlagen überarbeitet werden. Letztendlich steht die Genehmigung der Leistungsbeschreibung bzw. des Pflichtenheftes durch den Auftraggeber/Entscheidungsträger.

Meilensteinergebnis
Das Meilensteinergebnis der Grobplanungsphase ist die Leistungsbeschreibung oder Pflichtenheft. In diesem Dokument sind alle bisher erstellten wesentlichen Planungsunterlagen zusammengefaßt wie Problemkatalog, Zielkatalog, Anforderungskatalog, Aufgabenbäume, Funktionsbeschreibungen, usw.