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Apr 06

Studium ohne Abitur

Für ein Studium an einer Hochschule oder Fachhochschule ist normalerweise eine Hochschulreife (Abitur) bzw. Fachhochschulreife erforderlich. In Nordrhein-Westfalen besteht nun ebenfalls die Möglichkeit, ein Studium unter anderen Voraussetzungen einfacher anzufangen. Seit dem 05. Februar 2005 ist die „Verordnung über die Prüfung zum Hochschulzugang für in der beruflichen Bildung Qualifizierte (Zugangsprüfungsverordnung)“ in Kraft getreten, die die Zugangsmöglichkeiten zum Studium ohne Abitur/Fachabitur regelt.

Weitere Informationen hierzu sind beim Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen http://www.innovation.nrw.de zu finden.

Im folgenden werden die Zugänge zu einem Physikstudium ohne Hochschulreife an der Ruhr-Universität Bochum und Universität Dortmund beschrieben, wo ich einen Antrag auf Zugangsprüfung gestellt habe. An der Westfälische Wilhelms-Universität Münster wurde ebenfalls ein Antrag auf Zugangsprüfung gestellt, jedoch hatte diese Universität zum Antragszeitpunkt (Frühjahr 2006) noch nicht die Möglichkeit eingeräumt, ein Physikstudium ohne Abitur zu beginnen.

Ruhr-Universität Bochum

Seit 2006 ist es an der Ruhr-Universität Bochum möglich, ohne Abitur ein Studium aufzunehmen. Die Voraussetzungen hierfür sind in der Bekanntmachung Nr. 649 vom 12. Juni 2006 geregelt. Voraussetzungen sind

  • vollendetes 22. Lebensjahr
  • abgeschlossene Berufsausbildung
  • min. 3-jährige Ausübung einer beruflichen Tätigkeit

Zugelassen ist, wer eine benotete schriftliche und/oder mündliche Prüfung mit mindestens 2.0 abschließt. Die Bewerbung ist schriftlich mit den Nachweisen der Voraussetzungen (also Kopie des Personalausweises o.Ä., Zeugnis über die Berufsausbildung, Arbeitsnachweise…) und unter Angabe des Studiengangs einzureichen.

Verlauf des Antrages für ein Physik-Studium (B.sc.)

Nach dem Antrag auf Zulassung zur Zugangsprüfung an die Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität Bochum wurde dieser zunächst an die Zulassungsstelle der Ruhr-Universität weitergeleitet, um die Voraussetzungen zu prüfen. Nach erfolgreicher Voraussetzungsprüfung mußte ein obligatorisches Beratungsgespräch bei der Studienberatung der Fakultät durchgeführt werden.

Die eigentliche Zugangsprüfung wurde dann als einstündige mündliche Prüfung bei den Professoren von Keudell und Köhler und fand Ende August 2006 statt. In der Prüfung wurden sowohl physikalische wie auch mathematische Kenntnisse abgefragt, die mathematischen Fragestellungen kristallisierten sich dabei aus den physikalischen Problemstellungen heraus (wie Vektoren, Ableitungen, Integrale). Im physikalischen Bereich wurde zu Themen der Mechanik, E-Lehre und Optik Fragen gestellt (z.B. Welle-Teilchen-Dualismus, Keppler’sche Gesetze, Stromkreise…). Das Niveau war ähnlich wie an der Universität Dortmund und lehnte sich an die gymnasiale Oberstufe an. Nach Abschluß der Prüfung erhielt ich, nach kurzer Beratungszeit, direkt das Ergebnis der Prüfung mit Note. Das Zeugnis über die bestandene Zugangsprüfung konnte dann einige Tage später im Dekanat abgeholt werden.

Informationsseiten zum „Studium ohne Abitur“ der Ruhr-Universität:

Universität Dortmund

An der Universität Dortmund besteht schon seit längerem die Möglichkeit, ein Studium ohne Abitur aufzunehmen, wenn man die Voraussetzungen:

  • vollendetes 22. Lebensjahr
  • abgeschlossene Berufsausbildung
  • mindestens 3-jährige Berufstätigkeit oder 3 Jahre selbständige Führung eines Familienhaushaltes mit mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person
  • insgesamt min. 6 Jahre Arbeitstätigkeit (Berufsausbildung und -tätigkeit)

sowie

  • Bestehen der Zugangsprüfung

erfüllt hat.

Weitere Links:

Verlauf des Antrages für ein Physik-Studium (Dipl.)

Die Zugangsprüfung am Fachbereich Physik der Universität Dortmund bestand aus zwei Einzelprüfungen, die jeweils bestanden werden mußten. Der erste Teil war eine schriftliche Mathematik-Klausur, nach erfolgreicher Absolvierung dieser wird man dann zur mündlichen Prüfung über den Themenbereich Physik eingeladen.

Der Antrag auf Zulassung zur Zugangsprüfung war direkt an den Prüfungsvorsitzenden, für die Physik war dies Herr Prof. Tolan, zu stellen. Bei diesem Antrag müssen die Nachweise mit beigelegt werden, das man die Voraussetzungen erfüllt hat (also Abschlußzeugnis Berufsausbildung, Nachweis Berufstätigkeit), eine Personalausweiskopie muß ebenfalls beigelegt werden. Nach der Prüfung der Voraussetzungen erhält man dann die Einladung Zugangsprüfung.

Nach erfolgreichen Bestehen der Zugangsprüfung erhält man eine Bescheinigung über das Bestehen der Zugangsprüfung, um sich hiermit zu immatrikulieren (sozusagen als „Abiturersatz“).

Schriftliche Prüfung

Vor der schriftlichen Prüfung wurde mit der Terminbekanntgabe (etwa 2 Monate vor der Prüfung) auch bereits die wichtigsten Bereiche der schriftlichen Prüfung bekanntgegeben. Hierdurch hatte man die Möglichkeit, sich entsprechend darauf vorzubereiten. Die Prüfung wurde dann im Juli zusammen mit den Physikstudenten geschrieben, die eine Klausur schreiben mußten und somit die „Aufsicht“ zusammen erfolgen konnte. Hilfsmittel (Formelsammlung, Taschenrechner) waren für die Prüfung nicht zugelassen, die Aufgaben waren aber auch so gestellt, daß man diese auch ohne sehr gut bearbeiten konnte. Als Zeitrahmen waren 3 Stunden angesetzt, die für die Lösung der Aufgaben mehr als angemessen war. Zum bestehen der Prüfung war es auch nicht notwendig, alle Aufgaben richtig zu lösen.

Themenbereiche der schriftlichen Prüfung

Zeitrahmen 3 Std.

Inhalt:

  • Aussagenlogik
  • Grenzwerte
  • Lineare Gleichungen
    • LGS
    • Quadratische Gleichungen
  • Funktionen
    • schematische Zeichnung von mehreren Funktionsgraphen
  • Vektoren
    • Einzeichnen von Vektoren
    • Vektoraddition u. -subtraktion
    • Skalarprodukt
  • Trigonometrie
    • Winkel im Rechtwickligen Dreieck
    • Additionstheoreme
    • Beziehung zw. sin, cos und tan
  • Kreis, math. Gleichung
  • Differenzialrechnung
    • 1. Ableitungen bilden
  • Integralrechnung
    • Unbestimmte Integrale
    • Bestimmte Integrale
  • Zusatzaufgaben
    • Komplexe Zahlen

Mündliche Prüfung

Die mündliche Prüfung konnte nach dem Bestehen der schriftlichen Prüfung abgelegt werden und sollte zwischen 30 und 60 min dauern. Prüfer waren die Professoren Metin Tolan, Joachim Stolze und Hellmut Keiter. Innerhalb der Prüfung ging es, nachdem der schriftliche Teil über die Mathematik ging, um die Physik. Hierbei wurde ein Streifzug durch die Themengebiete der Physik gemacht, angefangen von den Kepler’schen Gesetzen, über allg. Mechanik, Elektrizitätslehre bis zur Optik und Wellenlehre. Dabei ging es in der Prüfung nicht umbedingt darum, daß man die einzelnen Zusammenhänge genau wußte, also den formelmäßigen Zusammenhang direkt angeben konnte, sondern mehr um das generelle Verständnis und die eigene Fähigkeit, aus bekannten Zusammenhängen komplexe zusammenzusetzen – also mehr um die Fähigkeit, Zusammenhänge aus den Grundgesetzen abzuleiten. Hierbei wurde man jedoch von den Prüfern sehr gut unterstützt, wenn es irgendwo mal kurz „hackte“. Alles in allem war die mündliche Prüfung an der Universität Dortmund eine sehr faire Prüfung und man merkte, daß die Prüfer diesem Zugangsverfahren für ein Studium offen gegenüber standen.

Vorbereitung auf die Zugangsprüfung

„Wie bereitet man sich nun am besten auf eine Zugangsprüfung vor?“ Diese Frage stellte sich für mich, als ich die Anträge abgeschickt hatte. Informationen und Erfahrungen hierzu im Internet waren kaum zu finden, da diese Möglichkeit, ein Hochschulstudium zu beginnen, noch nicht häufig durchgeführt wird und möglich ist. Daher blieb mir nur die Möglichkeit, das Niveau der Zugangsprüfung abzuschätzen. Sicherlich können in einer Zugangsprüfung nicht Studieninhalte bereits abgefragt werden, da die Zugangsprüfung die Hochschulreife ersetzt, sollte hier Wissen, das normalerweise bis zum Abitur vermittelt wird, abgefragt werden. Dabei müßte normalerweise auch nur Inhalte aus Grundkursen prüfbar sein, da für ein Physikstudium nicht notwendigerweise ein Physik- bzw. Mathematik-Leistungskurs vorausgesetzt werden kann. Daher hatte ich mich für meine Vorbereitung an Inhalte, die bis zum Abitur vermittelt werden, orientiert. Hilfreich hierfür waren, um die behandelten Themenbereiche abzuschätzen, die Buchreihe „Duden Abiturwissen“ (hier die Bände zur Mathematik und Physik).

Vorbereitung für den mathematischen Bereich

Zur mathematischen Vorbereitung hatte ich im WS 2005/06 den Brückenkurs „Mathematik für Mathematiker und Ingenieure“ an der FernUniversität in Hagen belegt, um strukturiert den Abiturstoff aufzuarbeiten und mich, ganz allgemein, an die Arbeitsweise bei einem Studium vorzubereiten. Zusätzlich für die Vorbereitung hatte ich das Buch „Mathematik für Einsteiger – Vor- und Brückenkurs zum Studienbeginn“ von Klaus Fritzsche, „Mathematik für Informatiker“ von Manfred Brill und „Duden Abiturwissen – Mathematik“ verwendet. Nachdem die Universität Dortmund die Themenbereiche für die schriftliche Mathematikklausur bekanntgegeben hat (siehe oben), hatte ich meine Vorbereitung auf diese Inhalte konzentriert und hatte ebenfalls angenommen, das das Niveau für den mathematischen Bereich der Zugangsprüfung an der Ruhr-Universität Bochum ähnlich angesiedelt ist (was auch zutraf).

Vorbereitung für den physikalischen Bereich

Die Vorbereitung für den physikalischen Bereich wurde größtenteils mit dem Buch „Physik“ von Paul A. Tipler gearbeitet. Orientiert an der Stoffauswahl und -tiefe hatte ich mich dabei vor allem an „Duden Abiturwissen – Physik“ sowie an die Inhalte meiner Physiklaborantenausbildung, da ich davon ausging, daß die Inhalte meiner Laborantenausbildung noch über den Stoff bis zum Abitur hinausgingen. Die noch vorhandenen Unterlagen meiner Physiklaborantenausbildung waren eine große Hilfe, mich in den Themenbereich Physik wieder einzuarbeiten. Zusätzlich wurden (die noch vorhandenen Bücher) „Physik für Ingenieure“ von Helmut Lindner, „Physik für technische Berufe“ von Heywang, Schmiedel, Süss und „Physik – Oberstufe Ausgabe A“ von Dorn für die Vorbereitung herangezogen.