Zwar gibt es in Gentoo Linux die tetex-Distribution als LaTeX-Distribution zum Installieren, jedoch wollte ich lieber die TeXLive-Distribution nutzen. Diese Distribution ist ausgelegt für verschiedene Betriebssysteme und Architekturen und hier liegt der große Vorteil - man braucht nur eine Distribution und bei einer Installation können die Unterstützung für mehrere Betriebssysteme und Architekturen angegeben werden, so daß man durch geeigneten export (z.B. per NFS oder CIFS) die Distribution über das Netzwerk zur Verfügung stellen kann. Einzig die Binaries sind dabei für jedes Betriebssystem oder Architektur separat, alle anderen Dateien können und werden dann gemeinsam genutzt, was den Speicherplatzverbrauch verringert.
Von der TeXLive-Distribution gibt es verschiedene Varianten, jenachdem, ob diese auf dem Rechner installiert werden soll oder direkt von der CD/DVD ausgeführt werden soll (daher der Name, TeXLive). Im nachfolgenden wird die installierbare Distribution beschrieben, zu beziehen z.B. von Dante. Nach dem download des ISO-Images und brennen des Images mit den üblichen Brenn-Tools kann diese nun auf dem Rechner installiert werden1).
Nach dem Mounten der CD-Rom unter /media/cdrom (oder einen entsprechenden Pfad auf dem jeweiligen System) und wechseln in das CD-Rom Verzeichnis kann die Installationsroutine über
sh install-tl.sh
aufgerufen werden. Die Installationsroutine ist menügestützt, der erste Bildschirm ist in der nachfolgenden Abbildung zu sehen.
Die Steuerung der Installationsroutine erfolgt über die Eingabe von Buchstaben, für die Auswahl der einzelnen Untermenüs stehen diese in den eckigen Klammern vor dem Menüpunkt.
Die Binär-Dateien, die installiert werden sollen, d.h. die Unterstützung für ein spezifisches Betriebssystem, kann im Unterpunkt „binary systems“ (Buchstabe b) modifiziert werden. Standardmäßig wird die Unterstützung für das Betriebssystem, auf dem die Installationsroutine ausgeführt wird, ausgewählt. Ist die Erkennung fehlerhaft, so kann diese über den Unterpunkt „over-ride system detection und choose platform“ (Buchstabe p) korrigiert werden.
Die von TeXLive-2005 unterstützen Betriebssysteme und Plattformen sind in der nachfolgenden Tabelle wiedergegeben.
| Betriebssystem/Plattform | Version |
|---|---|
| HP Alpha GNU/Linux | alpha-linux |
| Intel x86 Mac OS X | i386-darwin |
| Intel x86 FreeBSD | i386-freebsd |
| Intel x86 GNU/Linux | i386-linux |
| SGI IRIX | mips-irix |
| IBM RS/6000 AIX 4.3.* | powerpc-aix |
| Mac OS X | powerpc-darwin |
| Sun Sparc GNU/Linux | sparc-linux |
| Sun Sparc Solaris | sparc-solaris |
| Windows 9X/ME/2K/NT/XP (32 bit) | win32 |
| Intel x86 64-Bit GNU/Linux | x86_64-linux |
Diese Abbildung zeigt das Untermenü „binary systems“, in dem die zu installierenden Unterstützungen für verschiedene Betriebssysteme und Rechnerarchitekturen ausgewählt werden kann. Diese werden nacheinander abgefragt und können über y ausgewählt bzw über n abgewählt werden. Über die Taste r kommt man wieder zum Hauptmenü zurück.
Für die Auswahl der zu installierenden Teile des TeX-Systems sind bereits Schematas mit vordefinierter Paketauswahl verfügbar. Mit der Auswahl eines Schema kann die Paketzusammenstellung ausgewählt werden, die für den Verwendungszweck notwendig ist. Eine nähere Spezifikation mit der Möglichkeit, zusätzliche Pakete zu installieren bzw. nicht benötigte Pakete abzuwählen ist über die Menüpunkte „customizing installation scheme - standard collections“ und „customizing installation scheme - language collections“ möglich. Die nachfolgende Abbildung zeigt das Untermenü für die Schema-Auswahl, zu erreichen über den Buchstaben S im Hauptmenü.
Über die Angabe des entsprechenden Buchstabens, der einem Schemata zugeordnet ist, wird dieser ausgewählt. Die dabei installierten Pakete und Collections (eine Zusammenstellung von Paketen, die zusammen installiert werden können und bereits die Abhängigkeiten untereinander auflösen) werden mit angezeigt.
Bei der Auswahl eines Schematas besteht die Möglichkeit, dies den eigenen Wünschen und Bedürfnissen weiter anzupassen. Dies betrifft sowohl Pakete/Collections mit Funktionserweiterungen sowie die Anpassung an die zu verwendene Sprachunterstützungen. In der nachfolgenden Abbildung ist das Untermenü „customizing installation scheme - standard collections“ abgebildet, um eine Anpassung der zu installierenden Pakete/Collections vornehmen zu können. Man erreicht dies Menü vom Hauptmenü aus über den Buchstaben C. In im können über die angegebenen Buchstaben die entsprechenden Pakete/Collections an- bzw. abgewählt werden. Am häufigsten wird man, nach der Auswahl eines Schematas am ehesten die Dokumentationen in Sprachen, die man nicht verwenden möchte, abwählen. Dies kann doch ein wenig Plattenplatz sparen.
Das Untermenü „customizing installation scheme - language collection“ bietet demzufolge die Möglichkeit, Unterstützungen für Sprachen, die nicht verwendet werden oder zusätzlich benötigt werden, an- bzw. abzuwählen. Dies betrifft u.a. Style-Dateien für spezifische Sprachen (z.B. wird bei der Auswahl von „german“ die Style-Dateien für den Satz von deutschsprachigen Texten installiert) sowie die Trennmuster-Dateien. Sprachen, in denen man keine Texte verfassen möchte, können hier einfach abgewählt werden und sparen wiederum Plattenplatz.
Im Untermenü „directories“ (Buchstabe D) können die Installationspfade angepaßt werden. Ich finde es für Update-Zwecke praktisch, als Basisinstallationsverzeichnis /usr/local/TeX/TeXLive-2005 zu wählen und anschließend einen Link von /usr/local/TeX/TeXLive-2005 auf /usr/local/TeX/TeXLive zu legen. Bei einem Update muß dann nur der Link modifiziert werden (z.B. beim Update von TeXLive-2003 auf TeXLive-2005 den Link /usr/local/TeX/TeXLive von /usr/local/TeX/TeXLive-2003 auf /usr/local/TeX/TeXLive-2005 ändern, daß war die einzige Modifikation beim Update. Den texmf-local-Zweig, für die Installation von versionsunabhängigen und betriebssystemunabhängigen Dateien des TeX-Systems wurde auf /usr/local/TeX/texmf-local gelegt, so wird er bei einem Update nicht verändert und steht nach einem Update weiterhin zur Verfügung. texmf-var enthält versionsabhängige Dateien und sollte dementsprechend im realen Installationsverzeichnis der Distribution zu liegen kommen, also bei der o.g. Verzeichnishierarchie unter /usr/local/TeX/TeXLive-2005/texmf-var.
Einige Einstellungen der TeX-Distribution können über das Untermenü „Optionen“ (Buchstabe „O“) vorgenommen werden. So z.B. die Erstellung von Links für die ausführbaren Dateien, man- und info-Seiten. Das hat jedoch den Nachteil, daß diese dann bei einem Update ebenfalls modifiziert werden müssen. Günstiger ist es, den Pfad für ausführbare Dateien, man- und info-Seiten von /usr/local/TeX/TeXLive dem System bekannt zu machen (z.B. über die Modifikation der Umgebungsvariablen). Dies ist weiter unten für die Gentoo-Distribution beschrieben. Desweiteren kann hier näher spezifiziert werden, ob von den Schriftarten und Makros die Quellen sowie die Dokumentationen installiert werden sollen. Weiterhin kann ein alternatives Verzeichnis für die Ablage von automatisch generierten Schriften abgelegt werden. Hier sollte man vielleicht ein Verzeichnis unterhalb /var wählen, da dies normalerweise dafür vorgesehen ist und somit unter /usr/local/TeX keine Modifikationen stattfinden und die Verzeichnisse statisch bleiben. Vorteile liegen hier bei der Kalkulation des benötigten Festplattenplatzes und im Bereich der Systemsicherheit).
Über „start installation“ (Buchstabe „I“) wird die Installation des TeXLive-Systems durchgeführt, wenn das System vollständig installiert ist, kann die Konfiguration des TeXLive-Systems begonnen werden.
Wie schon oben erläutert, ist es günstiger für die Updatefähigkeit, das TeXLive-Verzeichnis direkt verfügbar zu machen statt Links in dem System bekannte Verzeichnisse anzulegen. Dies betrifft die Pfadangabe für ausführbare Dateien sowie den Pfad zu man- und info-Seiten.
Unter Gentoo kann dies relativ einfach über ein Script in /etc/env.d erfolgen. Die von mir verwendet Scriptdatei /etc/env.d/98TeXLive sieht wie folgt aus:
/etc/env.d/98TeXLive
PATH=/usr/local/TeX/TeXLive/bin/i386-linux ROOTPATH=/usr/local/TeX/TeXLive/bin/i386-linux MANPATH=/usr/local/TeX/TeXLive/man INFOPATH=/usr/local/TeX/TeXLive/info TEXBASE=/usr/local/TeX/TeXLive
Hiermit wird der Pfad zu den ausführbaren TeX-Dateien für ein i386-basierendes Linux-System für normale Benutzer sowie für den Administrator root gesetzt und die man- und info-Pfade erweitert. Zusätzlich (nicht notwendig) setzte ich noch die Variable TEXBASE, um einfach in das TeX-Verzeichnis über
tobias@master $ cd $TEXBASE
wechseln zu können.
Anschließend muß noch (als root)
env-update
an der Kommandozeile aufgerufen werden, um diese Einstellungen zu aktivieren. Somit stehen die Pfade bei allen zukünftigen Benutzeranmeldungen dem Benutzer zur Verfügung.
Um nun bei Gentoo zu verhindert, daß dieses selbst noch eine TeX-Distribution über seinen Paketmanager installiert (z.B. aufgrund von Abhängigkeiten), kann in die portage-Konfigurationsdatei /etc/portage/profile/package.provided folgendes eingetragen werden (sollte die Datei nicht vorhanden sein, kann sie einfach angelegt werden):
/etc/portage/profile/package.provided
# kein LaTeX installieren app-text/tetex-2.0.2-r6 app-text/jadetex-3.13-r1 app-text/ptex-3.1.5
Bei der Konfiguration der TeX-Distribution muß man zwischen der globalen sowie der benutzerspezifischen Konfiguration unterscheiden. Die globale Konfiguration darf natürlich nur ein Benutzer machen, der auch Schreibrechte im Installationsverzeichnis hat.
Die ersten Einstellungen für die Konfiguration kann über das Tool texconfig durchgeführt werden.
tobias@master $ texconfig
ruft das Konfigurationstool für die benutzerspezifische Konfiguration auf, der Aufruf von
root@master # texconfig-sys
das globale Konfigurationstool. Ansonsten sind diese beiden Tools gleich.
Über dieses Tool (Screenshot siehe oben) können die Papiergrößen, die DVI-, Schrift- und Trennmuster-Konfiguration vorgenommen werden. Daneben kann die Dateidatenbank neu aufgebaut werden (an der Kommandozeile kann dies auch über texhash oder texconfig rehash bzw. texconfig-sys rehash durchgeführt werden). Nach der Konfiguration kann dann das TeXLive-System verwendet werden.